Blumig
Grün
Pflanzliche und synthetische Ursprünge der grünen Facette in der Parfümerie
Der bekannteste Rohstoff für die grüne Facette ist Galbanumöl. Galbanum ist eine Pflanze, die vor allem im Iran oder in Afghanistan wächst. Gewonnen wird das Gummiharz aus den Wurzeln der Pflanze, das anschließend destilliert wird, um das ätherische Öl zu erhalten.
Galbanumöl verleiht intensive Unterholz-Noten, die in Kombination mit anderen Duftstoffen sehr kräftige grüne Kopfnoten ergeben. Petitgrainöl (aus dem Bitterorangenbaum), Veilchenblüten-Absolue oder Cassisknospe werden wegen ihres kräftigen Dufts nach frischen Kräutern ebenfalls häufig zum Aufbau einer grünen Note eingesetzt.
Unter den synthetischen Molekülen ist cis-3-Hexenol am gebräuchlichsten; es verleiht eine kräftige pflanzliche Note sowie einen angenehm fruchtigen Duft.
Eines der ersten Parfums, das die grüne Note in den Kopfnoten in den Vordergrund stellte, ist das bekannte Vent Vert von Balmain aus dem Jahr 1945. In Verbindung mit Basilikum bot die Überdosierung von Galbanum seinen Anhängern einen neuen Hauch pflanzlicher Frische, der damals völlig neuartig war.
Grüne Noten in Verbindung mit blumigen Düften und Chypre-Düften
Im selben Jahr wie Vent Vert erschien einer der ersten grünen Chypre-Düfte: Miss Dior. Die Kopfnoten basieren auf Galbanum, Bergamotte und Gardenie, Herz und Basis hingegen tragen unverkennbar einen Chypre-Charakter. Die Düfte der grünen Chypre-Familie sind im Wesentlichen um eine grüne Kopfnote aus Galbanum oder Hyazinthe aufgebaut, verbunden mit der Zauberformel des Chypre von Coty (Eichenmoos, Zistrose-Labdanum, Patchouli und Bergamotte). Der grüne Chypre gibt sich in den ersten Zügen frisch, in seiner Duftspur dann warm und berauschend...
Wichtigster Vertreter der grün-blumigen Düfte ist natürlich das bekannte Anaïs Anaïs von Cacharel. Galbanum in Verbindung mit Hyazinthe und Geißblatt ergibt eine kräftige grüne Note, die in Herz- und Basisnoten von einer Fülle romantischer Blüten fortgetragen wird. Grün-blumige Düfte sind derzeit besonders bei Mädchen und jungen Frauen beliebt, die luftige und zart duftende Kompositionen bevorzugen.
Heute tragen Parfums für Damen wie für Herren diese grüne Facette, sowohl wegen der Klarheit ihres direkten Auftakts als auch wegen des natürlichen Eindrucks sanfter, luftiger Frische. Die 1990er-Jahre und die Rückkehr zu weniger opulenten, natürlicheren Parfums markieren das große Comeback grüner Düfte, die wegen ihres rein pflanzlichen Charakters zuvor, wie Vent Vert zu seiner Zeit, kaum genutzt worden waren. Der Wunsch nach reiner Luft und natürlichen Düften entspricht mehr denn je dem Zeitgeist...
Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass grüne Noten noch in vielfältigen Facetten variiert werden, da sie die Kreativität der Nasen ebenso beflügeln wie die bedingungslose Begeisterung ihrer Liebhaber.
„Grün“ als Nebenfamilie
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