Das 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert: die Rückkehr der Parfümerie zu altem Ansehen
Die Revolution zählt zu den einschneidendsten Ereignissen der französischen Geschichte. Zugleich ist sie ein bedeutendes Kapitel der Parfümerie. Um seine Unzufriedenheit deutlich zu zeigen, lehnte das französische Volk alles ab, was auch nur entfernt an den königlichen Hof erinnerte, allen voran die Parfümerie, die eng mit den Königen verbunden war. Bereits unter dem Direktorium schlug die Tendenz jedoch grundlegend um.
Der Wandel der Tendenzen im 19. Jahrhundert
Die Zeit von der Renaissance bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war von einem starken Rückgriff auf die trockene Parfümerie geprägt. Dieser heute mitunter abstrakte Begriff bezeichnete die zahlreichen parfümierten Pulver, die in Säckchen verkauft wurden und überwiegend für Kleidung und Perücken bestimmt waren. Sie wurden lose in großen Töpfen an breiten Ständen angeboten. Die Entwicklung der Eau de Cologne kehrte diese Tendenz jedoch um und weckte eine regelrechte Begeisterung für flüssige Parfums. Zudem war der Beginn des 19. Jahrhunderts von umfangreichen Forschungen zur Herstellung synthetischer Produkte geprägt. In dieser Zeit begannen Forscher, interessante Duftmoleküle zu isolieren, um chemische Produkte ohne natürliche Entsprechung zu entwickeln. Waren diese Produkte anfangs unerschwinglich, wurden sie bald erschwinglich. Dies ermöglichte den Parfumeuren zahlreiche neuartige Kompositionen. Ebenso schaffte die Französische Revolution die Zunftordnungen ab, was den Handel erheblich liberalisierte. Dadurch fiel es den Parfumeuren deutlich leichter, sich neue Rohstoffe aus dem Ausland zu beschaffen. Das Parfum wurde so zum Spiegel der Persönlichkeit seiner Träger. Unter dem Direktorium zeigte sich eine gewisse olfaktorische Extravaganz. Diese historische Epoche war zudem stark von einem Bild auffälligen Luxus geprägt, und so begleiteten Essenzen auf Basis von Moschus, Zibet oder Muskatnuss die zahlreichen von griechischen Gewändern inspirierten Kleider jener Zeit. Das Ende des 19. Jahrhunderts brachte dagegen Pelze und Schals aus Indien, die zur Konservierung mit Patchouli parfümiert waren. So setzte sich dieser Rohstoff als einer der Kultdüfte des ausgehenden 19. Jahrhunderts durch.
Die großen Namen der Parfümerie im 19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert gilt als ein goldenes Zeitalter der Parfümerie, in dem sich große, bis heute bekannte Namen der Branche im Herzen von Paris niederließen. So ließ sich ein gewisser Jean-Marie Farina, Erbe des Gründers des berühmten gleichnamigen Hauses, in Paris nieder und wurde zum Hoflieferanten Napoleons I. Sein Geschäft ging 1840 an Léonce Collas, der es 1862 an Roger et Gallet weiterverkaufte. Unter den namhaften Parfumeuren ließ sich zudem Guerlain 1828 in Paris nieder. Dieses außergewöhnliche Haus wurde von Pierre François Pascal Guerlain gegründet. Es verkaufte damals Eaux de Toilette, Seifen, Cremes, Pomaden und Thermalpräparate. Sein eleganter Stil eroberte bald ganz Europa und machte diesen Meisterparfumeur zu einem der renommiertesten Frankreichs. Bestätigt wurde dieses Ansehen, als Guerlain die Eau de Cologne Impériale für Kaiserin Eugénie schuf. Ebenso entstanden im 19. Jahrhundert die Marken Édouard Pinaud, Bourgeois, Molinard, Gellés Frères, Piver und Worth.
Insgesamt kehrte das Ende dieses Jahrhunderts zu schweren Düften zurück. Ob man diesen Duftstil schätzt oder nicht: Zweifellos trugen diese Düfte maßgeblich zur Entdeckung und Erforschung der synthetischen Chemie bei.